Von Durchhängern zu Durchblickern Die enorme Transformation der Jünger

Manchmal braucht es einschneidende Erlebnisse, um etwas anders oder zum ersten Mal neu zu sehen, bzw. einen neuen Blickwinkel einzunehmen.

Z.B., wenn wir verliebt sind. Vielleicht haben wir eine Person jahrelang registriert, aber nie wirklich wahrgenommen. Und auf einmal schlägt die Liebe zu und wir sehen die Person in einem völlig neuen Licht. Und haben dann die sprichwörtliche rosarote Brille auf.

Oder wir haben bisher unser Leben nur für uns selbst gelebt, plötzlich werden wir Eltern und alle Prioritäten und Rahmenparameter, aber auch unsere Sicht auf das Leben selbst verändern sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch.

Oder wir haben einen lieben Menschen verloren und sehen plötzlich ganz anders auf die Welt. Die Welt ist um einen für uns persönlich extrem wichtigen Menschen ärmer geworden und wir verstehen im Extremfall nicht, warum sie sich überhaupt weiterdreht.

So ähnlich muss es den Jüngern gegangen sein, als sich alle ihre Hoffnungen, die sie insgeheim über die drei Jahre, die sie mit Jesus unterwegs gewesen waren, selbst am Leben gehalten und genährt hatten, mit der Kreuzigung zerschlagen hatten.

Was hat der Herr eigentlich in den 40 Tagen, in denen Er nach Seiner Auferstehung noch auf der Erde war, gemacht?

Die Evangelien und der Anfang der Apostelgeschichte berichten uns einige Begebenheiten. Er heilte nicht mehr, Er sprach auch nicht mehr zu großen Menschenmengen.

Nein, Seine Hauptaufgabe war es nun, Seine Jünger auf die Aufgabe vorzubereiten, die vor ihnen lag, wenn Er in den Himmel aufgefahren sein würde.

Das war keine einfache Aufgabe. Drei Jahre hatte Er den Jüngern erklärt, gepredigt, vorgelebt und sie vorbereitet und sie hatten meist alles nur aus der Sicht ihrer persönlichen Erwartungen und Hoffnungen gehört und gesehen. Nichts Geringeres als die Transformation zu einem völlig neuen Denken und Verstehen musste in den Jüngern stattfinden. Hunderte, vielleicht tausende Male hatten sie vom Reich Gottes gehört und es nur irdisch verstanden. Und jetzt sollten sie neu hören und es geistlich verstehen? Die Jünger brauchten ein neues Mindset, sollten von Durchhängern zu Durchblickern werden, was das Thema des Reiches Gottes anging.

Das Neue Testament gibt uns einige Hinweise darauf. Den Emmaus-Jüngern hatte der Herr schon einen Crashkurs gegeben, in Lukas 24,45 kann man in Bezug auf alle Jünger lesen: “Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden“. Der Apostel Lukas erwähnt in Apostelgeschichte 1,3: “Ihnen (den Jüngern) erwies er sich auch nach seinem Leiden als lebendig durch viele sichere Kennzeichen, indem er ihnen während 40 Tagen erschien und über das Reich Gottes redete.“

Genial finde ich die Reihenfolge der Transformation, die die Jünger durchmachten. Zunächst waren sie nur Mitläufer und Nachfolger, dann immerhin Jünger, dann hingen sie eine kurze Zeit durch. Nach der Auferstehung aber werden sie neue Menschen mit neuem Horizont, die von Jesus die Geheimnisse des Reiches Gottes neu gezeigt bekommen.

Sie werden von Durchhängern zu Durchblickern, die, nachdem sie den Heiligen Geist bekommen hatten, als Apostel und Botschafter für Christus (2. Kor. 5,20) nun hinausgehen, um das, was sie verstanden hatten, anderen weiterzugeben und die vom Herrn berufen werden, als Bauleute am Reich Gottes mitzubauen.

Dazu sind auch wir als Christen letztendlich berufen. An welcher Stelle der inneren Reise und Transformation der Jünger stehst Du heute?

Amen

Lied: Ich begreife es neu (Helmut Jost, „Schwarz und weiss ℗ 1989 Gerth Medien“)

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