Rollentausch
„Fasching isch rum“. Seit dem vergangenen Aschermittwoch ist die „fünfte Jahreszeit“ wieder vorbei. Manche sind traurig, andere denken: Gott sei Dank.
Eine seltsame Kombination leitet diese Andacht ein. Ein Bild vom Karnevalsumzug und ein Wort von den ersten Seiten der Bibel.
Zum Hintergrund: Der Satan in Gestalt der Schlange verführt Eva, von der Frucht zu essen mit dem Versprechen, sie und Adam würden nach dem „Genuss“ werden wie Gott. Abgesehen davon, dass Satan in dem ganzen Dialog nur mit Lügen und Halbwahrheiten agiert, wie er bis heute die Menschen mit dieser Taktik verführt, weiß er ganz genau, wo die Schwachheit dieser von Gott so merkwürdig geliebten Wesen liegt. Gott hatte die Menschen mit einem freien Willen ausgestattet. Deshalb versuchte Satan erfolgreich, diesen zu benutzen, dem Gebot Gottesungehorsam zu werden.
Und wäre dies nicht auch ein verlockender Gedanke für uns? Zu werden wie Gott?
Wer tauscht nicht gerne die Rolle, wenn er sich verbessern kann? Aber die Aussicht auf Verbesserung war natürlich nur oberflächlich. Wie eine dünne Schicht Blattgold auf ganz gewöhnlichem Messing oder wie eine reich verzierte Fassade, hinter der sich ein ganz gewöhnliches Haus verbirgt. Und die Ernüchterung für Adam und Eva folgte auf dem Fuß. Möglicherweise war es ein (Ascher)Mittwoch.
Am Karneval spielen Masken und Verkleidungen eine große Rolle. Sie dienen dazu, eine andere Identität einzunehmen, aber manchmal auch dazu, nicht erkannt zu werden. Vom Altertum weiß man, dass es schon im frühen Babylonien und später bei den römischen Saturnalien entsprechende Feste gab. Man tauschte Rollen und stellte für kurze Zeit die Verhältnisse zwischen Herrschen und Beherrschen, zwischen Herrn und Sklaven auf den Kopf oder glich diese zumindest an. Eine altbabylonische Inschrift lautet: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“
Im Mittelalter feierte man Narrenfeste um den Epiphaniastag, dem 6. Januar. Auch dort wurden Rollen verschoben, auch ein falscher Papst wurde schon mal gekürt.
Masken und Verkleidungen sind charakteristisch für den Karneval, besonders bekannt dafür ist der Karneval von Venedig. Völlerei, Betrunkenheit und Ausschweifung, auch sexueller Art spielten und spielen seit jeher im Karneval eine große Rolle, kommt doch das Wort „Karneval“ vom lateinischen Imperativ „carne vale!“, was so viel bedeutet wie „Fleisch, leb wohl!“, aber nicht im Sinn der Entsagung vom Fleisch, sondern gerade dem Gegenteil: „Fleisch, nun lass es mal so richtig krachen!“
Wie auch immer jemand Karneval feiert, ob eher harmlos und einfach nur mit Spaß und Freude, so gibt es unbestritten auch eine dunkle und widergöttliche Seite am Karneval, besonders sichtbar auch in der allemanischen Fastnacht.
Gott ist keine Spaßbremse.
Und auch ich will niemandem den Fasching madig machen, der ihn feiern will. Sicherlich wollen viele ganz einfach nur lustig sein. Denen wünsche ich natürlich auch im nächsten Jahr wieder viel Spaß.
Zum Thema Rollentausch möchte ich dennoch noch einen Gedanken loswerden: Wenn wir Menschen die Rolle tauschen, im Fasching, aber besonders im echten Leben, dann meistens, um uns zu verbessern.
Wir befinden uns seit Mittwoch in der Passionszeit. Und mir fällt einer ein, der den denkbar schlechtesten Rollentausch auf sich genommen hat, den man sich vorstellen kann: Unser Herr Jesus Christus.
Den Tausch vom Sohn Gottes zum Menschen, den Ortswechsel vom Himmel ans Kreuz. Und für wen, warum und für was das alles? Für Dich und mich aus Liebe für deine und meine Versöhnung mit Gott.
Amen
Lied: Sollt‘ ich meinem Gott nicht singen? - Paul Gerhardt (1607-1676)