Peter und Paul Petrus und Paulus - Gemeinsam für einen Herrn trotz aller Unterschiedlichkeit
Ihr wisst, dass ich für den Herrn im Gefängnis bin. Als sein Gefangener bitte ich euch nun: Lebt so, dass Gott dadurch geehrt wird; er hat euch ja berufen, seine Kinder zu sein. Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein! Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt. Sein Friede verbindet euch miteinander.
Epheser 4,1-3
An diesem Wochenende feiert Bretten wieder sein Peter-und-Paul-Fest. Viele Brettener hüllen sich für vier Tage in historische Gewänder und genießen bei Speis und Trank ihre kleine, alljährliche Zeitreise.
Aber was hat denn unser großes, mittelalterliches Stadtfest mit Peter und Paul zu tun?
Inhaltlich eigentlich nichts. Peter und Paul ist lediglich ein spezieller Namenstag im Kalender, genau gesagt der 29.06., an dem in besonderer Weise des Märtyrertodes der Apostel Petrus und Paulus gedacht wird und des aufopfernden Einsatzes der beiden für die Verbreitung des Evangeliums. Und das Brettener Peter-und-Paul-Fest wird in Bretten im-mer an den Tagen Freitag – Montag gefeiert, die auf diesen 29.06. folgen.
Ich habe mir mal Gedanken über die beiden großen Apostel gemacht, die von Gott in einzigartiger Weise für die Ausbreitung des Evangeliums gebraucht wurden. Die Beziehung von Petrus und Paulus war aufgrund ihrer unterschiedlichen Werdegänge, Mentalitäten, Zielgruppen und theologischen Schwerpunkte allerdings temporär durchaus ambivalent, was ihrer gegenseitigen Anerkennung und Achtung letztendlich jedoch keinen Abbruch tat.
Was verband die beiden? Sie waren beide Apostel Christi und spielten eine herausragende Rolle bei der Ausbreitung des Evangeliums. Beide wurden von Jesus selbst berufen, Petrus direkt, Paulus über eine Vision. Sie waren beide sehr entschlossene Verkündiger der Botschaft Jesu, Seiner Lehren, Seines Lebens, Seines Todes und Seiner Auferstehung.
Was unterschied sie? Petrus und Paulus hatten unterschiedliche Persönlichkeiten, Hintergründe und Erfahrungen. Petrus war Fischer und drei Jahre sehr intensiv mit Jesus unterwegs gewesen. Er war impulsiv, hatte Momente des Zweifels, der Unsicherheit und des Wankelmuts, aber auch Liebe und große Treue zeichneten ihn aus.
Paulus war nicht mit Jesus unterwegs gewesen, dafür aber ein pharisäisch perfekt ausgebildeter Theologe und zu-nächst ein eifriger Verfolger der Gemein-de des Herrn Jesus, dessen Status als Messias er zunächst vehement ablehnte. Später aber reiste, schrieb und litt er mehr als alle anderen Apostel für Jesus und das Evangelium, gründete Gemeinden und trug das Evangelium bis nach Europa, wo als erste Person auf unserem Kontinent die Purpurhändlerin Lydia aus Philippi (Apg. 16,11-15) zum Glauben kam.
Außerdem hatten Petrus und Paulus durchaus auch vorübergehend theologische Differenzen, bei denen ausgerechnet der Jünger Petrus schließlich Paulus Recht geben musste. Paulus war der Heidenapostel.
Warum erzähle ich Euch diese Dinge, die vielleicht viele von Euch auch schon kennen?
Weil Petrus und Paulus gerade in ihren vielen Unterschiedlichkeiten, aber auch zeitweiligen Differenzen auch für uns als Geschwister in Christus stehen können. Natürlich gibt es fundamentale Wahrheiten, über die Christen sich grundsätzlich einig sein müssen, aber wir dürfen auch wie Paulus und Petrus lernen, dass unterschiedliche Prägun-gen, Erkenntnisse in manchen theologischen Fragen, Mentalitäten und Temperamente keine Gründe sein dürfen zur Spaltung oder zum Streit, sondern dass wir uns vielmehr in der Gnade und Liebe Christi geschwisterlich annehmen und verbinden sollen.
Es kann nämlich vieles davon auch bereichernd sein und dazu beitragen, dass wir miteinander auf dem Weg sind, auf ihm vorankommen und voneinander, aber vor allem miteinander gemeinsam von Christus lernen. Das ist der Grund, warum Gott möchte, dass es Gemeinde gibt. Das ist der Grund, warum wir uns treffen als Christen. Das ist der Grund, warum Christus unter uns sein möchte. Denn Er will der Grund unserer Einheit in Ihm sein.
Es kann ganz klein beginnen. Schon mit zwei oder drei Leuten. Wenn sie in Jesu Namen zusammen sind, dann stellt sich Jesus dazu. Nicht umsonst sagt Er selbst: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matth. 18,20)
Unter den genannten Umständen sogar beim Peter-und-Paul-Fest.
Amen