Bibelabend
Mai
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis)
Welch eine Woche liegt hinter uns! Während immer noch zwei Feuer bei Los Angeles lodern und immer wieder von den Föhn-artigen Santa Ana Winden angefacht werden, gab es bei uns das fürchterliche Attentat auf eine Kindergartengruppe in einem Park in Aschaffenburg, welches nun einen mutmaßlich großen Einfluss auf den mittlerweile angelaufenen Bundestags-Wahlkampf haben wird. Ich vermute, wir alle sind mehr als betroffen und geschockt und die meisten von uns wünschen sich nun einschneidende Maßnahmen der Politik, die weiteren dieser unheilvollen Entwicklungen Paroli bieten können und eine Wende zum Besseren bewirken.
Ansonsten beschäftigte die meisten von uns wohl auch die Amtseinführung von Donald Trump am Montag und alle daraus bereits erfolgten Maßnahmen, Dekrete und die Auswirkungen für uns in Deutschland und Europa.
Seit der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt (1933-1945) gehört ein ökumenischer Gottesdienst für frisch vereidigte US-Präsidenten zum Pflichtprogramm. Traditionell bleibt dieser Gottesdienst politisch neutral – doch am Dienstag war das anders. Die Bischöfin der Episkopalkirche in Washington, Mariann Edgar Budde, ermahnte Präsident Trump öffentlich, Erbarmen und Milde walten zu lassen. Mit Blick auf seine geplanten Massenabschiebungen appellierte sie: 'Im Namen Gottes bitte ich Sie, haben Sie Erbarmen mit den Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben.' Die Reaktion folgte prompt: Trump bezeichnete sie als 'linksradikale Trump-Hasserin', kritisierte, sie habe ihre Kirche ungebührlich in die politische Debatte eingebracht und forderte eine Entschuldigung.
Mehr dazu lesen könnt ihr z.B. hier in der FAZ und hier auf katholisch.de.
Nun kann man sowohl zur Predigt der 65-jährigen Bischöfin Budde, Mutter von zwei Söhnen, als auch zu einem Präsidenten Trump stehen, wie man mag. Bei uns herrschen Demokratie und Meinungsfreiheit. Ob man die Predigt der Bischöfin oder einen Präsident Trump gut findet oder schlecht, ist für mich hier auch überhaupt nicht das Thema. Ich kenne auch die Predigt in ihrem kompletten Wortlaut nicht.
Aber Donald Trump hatte sich tags zuvor bei seiner Amtsein-führung quasi als von Gott eingesetzter Erlöser für Amerika dargestellt, der extra zu diesem Grund nach eigener Interpretation in der Kleinstadt Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania von Gott auch noch beim Attentatsversuch am 14.07.2024 bewahrt wurde. Das hört sich sehr christlich an. Ich staune dann aber auch anhand seiner Reaktion auf die Predigt, dass er auf der anderen Seite offenbar nicht bereit ist, sich mit guten christlichen, möglicherweise biblischen Impulsen hinterfragen zu lassen. Den Grund dafür vermute ich in seinem abnormen Ego.
Und mal angenommen, Frau Budde sprach diese Worte zu Trump wirklich inspiriert vom Heiligen Geist, dann frage ich mich auch, ob Trump wirklich bereit wäre, sich von Gott leiten zu lassen, wenn es seinen Interessen zuwiderläuft. Ich habe da große Zweifel. Viele evangelikale Wähler Trumps in Amerika offenbar nicht.
Doch bevor wir uns allzu sehr auf Trump konzentrieren, sollten wir uns noch fragen: Wie gehen wir selbst mit göttlichen Ermahnungen um, die uns herausfordern?
Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, wie begeistert tun wir das auch dann noch, wenn unsere eigenen Interessen darunter massiv zurückstehen müssten? Würden wir auch dann noch Jesus bedingungslos nachfolgen?
Nimm dir doch in dieser Woche mal bewusst Zeit, um im Gebet zu fragen:
„Herr Jesus, wo folge ich Dir nur halbherzig? Zeige mir doch, wo ich in Deiner Nachfolge faule Kompromisse eingehe und gib mir den Mut, mich klarer in Deine Nachfolge zu stellen und mein Ego hintenan zu stellen“
Amen
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Lied: Ein Leben für Gott – Pfarrer Uwe