Jugendsünden Jugendsünden können einen auch wieder einholen
Gedenke nicht an die Sünden meiner Jugend und an meine Übertretungen; gedenke aber an mich nach deiner Gnade, um deiner Güte willen, o HERR!
Psalm 25,7
Vor einigen Tagen habe ich mich mit meiner Frau Sabine unterhalten und wir haben uns erinnert, was wir als Kinder und Jugendliche so alles „verbrochen“ haben. Bis auf die ein oder andere Ausnahme nichts wirklich Kritisches. Gedankenlosigkeiten, unvernünftige und wenig durchdachte Äußerungen und Handlungen, Streiche, Jugendsünden halt.
Über viele Dinge lachen wir heute, andere Dinge tun uns heute leid, weil sie zwar schon lange her und wohl auch vergeben sind, wir sie aber auch nicht mehr rückgängig machen können.
Und uns allen werden wohl in der Erinnerung an die eigene Kinder- und Jugendzeit eigene Verfehlungen einfallen.
Zurzeit ist gerade von einem bayerischen Politiker die Rede, dem eine erhebliche „Jugendsünde“ vorgeworfen wird. Welche Rolle er bei der Urheberschaft und Verbreitung eines antisemitischen Pamphlets gespielt hat, was die Motive waren und ob man, je nachdem, so etwas noch als Jugendsünde bezeichnen darf, darüber scheiden sich die Geister.
Ich will mir darüber auch kein Urteil erlauben, dafür fehlt mir die konkrete Kenntnis der Einzelheiten. Hier ein Urteil zu fällen steht mir auch nicht zu. Damit befassen sich zurzeit andere.
Was ich aber feststellen möchte:
Jugendsünden können einen wieder einholen. Manchmal sogar sehr spät. Jahrzehntelang lag das Thema in irgendwelchen politischen Schubladen, um bei Bedarf wieder hervorgeholt zu werden. Und irgendjemand sah wohl gerade Bedarf.
Auch David, der große König Israels nach dem Herzen Gottes, war sich der Sünden seiner Jugend sehr wohl bewusst. Er hatte sie zwar bekannt, bereut und Buße getan und von Gott Vergebung erlangt, aber er hatte auch den ein oder anderen Preis zu zahlen gehabt.
Und obwohl ihm vergeben worden war, lasteten die Sünden und Übertretungen seiner Jugend und die nicht mehr wieder gut zu machenden Folgen immer mal wieder schwer auf seiner Seele. So stelle ich mir das vor, denn auch mich holt das ein oder andere Gespenst meiner Jugend ab und zu in meiner eigenen Seele ein.
Was aber ist der Unterschied zwischen David und uns? Ich denke, obwohl ihm vergeben war, bittet David trotzdem noch darum, dass Gott bei der letzten Beurteilung seines Lebens nicht mehr an die Sünden seiner Jugend denkt, sondern ihn, David, gemäß der Liebe, Barmherzigkeit und Güte beurteilt, die ein Wesensmerkmal Gottes ist.
Die Bitte Davids an Gott enthält deshalb wohl auch einen letzten Rest Unsicherheit, sogar für einen Glaubenshelden wie David.
Wir dagegen dürfen das, was David für sich bittet und erhofft, durch das Geschenk der Gnade in Christus für uns heute schon wissen. Denn der endgültige Preis für die Sünde im Alten Testament war damals noch nicht bezahlt. Wir dagegen wissen, dass der Preis für unsere Sünde durch Jesus bereits ein- für allemal bezahlt ist. Das gilt für uns, wenn wir unsere Sünden bekennen und zum Kreuz bringen. Und bezahlt hat der Herr nicht nur für unsere Jugendsün-den, sondern auch für unsere Sünden als Erwachsene.
Wir haben zu unserem Glück keinen Gott, der, wie Menschen es gerne tun, unsere Jugendsünden Jahrzehnte später wieder hervorholt. Wir haben einen Gott, von dem Johannes in seinem 1. Brief, Kapitel 1, 9 schreibt: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“
Ein- für allemal.
Amen
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Lied: Vater, deine Liebe – Andreas Schätzle und Sandesh Manuel