Irrtum: Ich bin Christ, weil ich an Gott glaube Glaubst du noch oder vertraust du schon?
Was ist denn das für eine komische Frage?
Der Glaube wird doch immer als Grundvoraussetzung genannt, aufgrund dessen die unverdiente Gnade Gottes durch das, was Jesus für dich und mich getan hat, wirksam wird und dich und mich zu einem neuen, mit Gott versöhnten Menschen machen kann.
Das ist auch richtig.
Aber was meine ich dann mit der Frage?
Lass mich den kleinen, aber feinen Unterschied durch ein kleines Beispiel illustrieren, das ich aus einer kleinen anderen Andacht zitiere!
„Manchmal ist es leichter, „Ich glaube an Gott“ zu sagen, als „Ich glaube Gott.“ Dazu hörte ich einmal eine Geschichte von einem Seilakrobaten. Dieser spannte ein Seil über die Niagarafälle und balancierte mit einem Stab von einem Ende des Seils bis zum Anderen. Die Zuschauer waren begeistert. Dann ließ er den Stab weg und erntete tosenden Applaus. Als Nächstes nahm er eine Schubkarre und schob sie über das Seil. Am anderen Ende angekommen, fragte er die Leute, ob sie ihm auch zutrauten, einen Menschen in der Schubkarre über das Seil zu transportieren. „Du schaffst das“, rief einer der Zuschauer begeistert, „wir glauben an dich!“ Der Akrobat winkte dem Mann zu: „Komm!“, forderte er ihn auf. Was würden wir jetzt tun?“
Klar, Gott ist kein Akrobat. Er kann gar nicht verunglücken, bei Ihm kann nichts schiefgehen und hier hinkt das Beispiel vielleicht auch ein bisschen. Aber wir merken vielleicht den entscheidenden Unterschied. Der Mann glaubte an den Akrobaten, aber er glaubte ihm nicht, denn sonst würde er sich in vollem Glauben ihm anvertrauen.
In biblischen Zeiten war im Gegensatz zu heutiger Zeit moderner, buchstäblicher Atheismus unbekannt. Die Menschen waren sich in ihrem sichtbaren Alltag trotzdem der Existenz einer unsichtbaren und göttlichen Realität bewusst. Sie wendeten sich vielleicht anderen Religionen zu oder dienten Götzen oder sie glaubten oder gehorchten Gott nicht, aber es gab eigentlich niemanden, der behauptete, es gäbe so etwas wie Gott nicht.
Das ist heute deutlich anders und führt zu der irrigen Meinung, die Anerkennung der Existenz Gottes an sich wäre schon ein Wert, den Gott anerkennen müsste. Ja, es gibt viele, die von sich behaupten würden, sie seien schon Christen oder kämen in den Himmel nur aufgrund der Tatsache, dass sie anerkennen, dass es einen Gott gibt/geben muss. Aber sie setzen sich eben – im Bild gesprochen – nicht in die Schubkarre Gottes.
Ein solcher Glaube hat in der Regel keinerlei Auswirkungen auf das persönliche Leben. Mir fällt dabei ein: Sogar der Teufel und seine Dämonen glauben an Gott. Es käme ihnen nie in den Sinn, die Existenz Gottes zu leugnen. In Jakobus 2,19 können wir lesen:
„Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Du tust wohl daran! Auch die Dämonen glauben es — und zittern!“
Warum zittern sie?
Weil sie sich Gott nicht anvertrauen wollten, ihm nicht glauben wollten, sondern in Gleichgültigkeit und sogar Rebellion zu Ihm leben.
Wir sollen anders handeln. Wir sollen nach dem ersten Schritt, die Existenz Gottes zu akzeptieren, nicht stehenbleiben, sondern Ihm auch glauben, was Er in seinem Wort sagt, Ihm vertrauen, den guten Weg weitergehen und uns von Ihm verändern lassen.
Deshalb frage ich, wenn ich mit Menschen über Gott rede und sie sagen, dass sie an Gott glauben und Christ seien, gerne nach.
„Was bedeutet das für dich?“ und „Wie wirkt sich das in deinem Leben aus?“
Denn die eigentliche Frage lautet nicht „Glaubst du an Gott / Jesus?“, sondern:
„Bist Du ein Mensch, der Gott / Jesus“ vertraut und sich im Glauben an Ihn von Ihm verändern lässt?“
Amen
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