Hat Gott Israel verstoßen? (Römer 11,1-10)

Das Verhältnis zwischen Christen und Juden war schon immer ein besonderes – und immer sehr belastet. Zahllose Diffamierungen und Verfolgungen mussten Juden im Lauf der Jahrhunderte über sich ergehen lassen. Pogrome und mit furchtbaren Ideologien gerechtfertigte Genozid- Versuche wurden teilweise sogar im Namen des Christentums angezettelt. Erst knapp 80 Jahre ist es her, dass auch in unserem Land 6 Millionen Juden ermordet wurden und das aus dem einzigen Grund, dass sie eben Juden waren. Auch nach dem Krieg waren die latente Ablehnung und Abneigung gegen die Juden immer vorhanden gewesen und seit einigen Jahren wurden erschreckende Tendenzen auch in unserem Land sichtbar, dass Antisemitismus wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein scheint. Aber kaum gezügelten Hass auf die Juden erleben wir auch gerade wieder in der islamischen Welt. Wenn auch mit anderer Begründung, so nährt sich Ablehnung und Hass doch aus der gleichen gottfeindlichen Quelle. Christusmörder wurden die Juden immer genannt. Das war das christliche Deckmäntelchen, mit dem all die Verfolgung über die Jahrhunderte gerechtfertigt wurde. Ja, es stimmt. Die Juden hatten damals den Herrn ausgeliefert und durch die Römer am Kreuz töten lassen.

Aber sind nicht alle Menschen und somit auch wir in den Augen Gottes Sünder und haben somit Anteil am Opfertod des Herrn für die ganze Welt? Was geschah danach? Hat Gott sein Volk verstoßen? Paulus schreibt: Das sei ferne! Denn die Erwählung Israels als Volk Gottes hat Gott nicht rückgängig gemacht. Hier liegen all diejenigen falsch, die behaupten, Israel habe versagt und Gott habe deshalb all seine positiven Pläne und Verheißungen für das Volk Israel auf die Christen übertragen. Ja, Gott bestrafte sein Volk schwer, Jerusalem und der Tempel wurden 70 n. Chr. zerstört und spätestens nach der Niederlage des Bar Kochba – Aufstands 135 n. Chr. wurden die Juden in alle Welt vertrieben. Gott hatte sein Volk auch im Alten Testament immer wieder bestraft, wenn sie sich von Ihm abgewandt hatten, aber noch nie in dem Maße, wie wir es die letzten knapp 2000 Jahre gesehen haben. Worin bestand die Bestrafung?

Sie bestand in der Zerstreuung (Jüdische Diaspora) in alle Welt und – was noch schlimmer ist – in der Verstockung und Verblendung ihres Geistes,ihrer Augen und Ohren (Römer 11,7-8), den Herrn Jesus auch nachträglich als ihren Messias erkennen zu können, obwohl sich so viele Prophezeiungen im Alten Testament so klar in seinem ersten Kommen erfüllten. Über diese Decke auf ihren Augen schreibt auch Paulus, selbst ein Jude, in 2. Kor. 3, 14-18. Aber – und auch das ist Teil der Wahrheit – Gott hat sich immer einen gläubigen Überrest bewahrt. In alttestamentlicher und neutestamentlicher Zeit. In letzterer fing es an mit Aposteln, danach ging es weiter mit der ersten judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem und es dauert bis heute fort im Bestehen einer wachsenden Zahl von sogenannten Messianischen Juden. Gott hat Sein Volk nicht verstoßen! Im Gegenteil. Er hat bereits seit mehr als hundert Jahren Seine Verheißung aus Hesekiel wahrgemacht, sie ins ehemalige Land zurückzuholen: „Denn ich will euch aus den Völkern herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen.“ (Hes. 36,24). Es war und ist zunächst eine auch heute noch andauernde Rückführung im Unglauben, denn die Verstockung in Bezug auf den Messias hält noch an. Weitere Schritte Gottes mit Israel werden folgen.

Gott hat Sein Volk nicht verstoßen! Lest dazu gerne Römer 11,1-10!

Und wir? Wir sollten für die Juden und das Volk Israel beten, dass Gott ihnen bald die Decke von den Augen und die Verstockung ihres Herzens nimmt und ihnen Frieden und Versöhnung in Christus schenkt!

Amen

Lied: Hevenu shalom alehem – Jerusalem Academy Flashmob am Ben Gurion Airport