Gerüchteküche Einmal entsandt fliegt das Wort unwiderruflich zurück (Horaz)
Ein Hammer, ein Schwert, ein spitzer Pfeil: so ist ein Mensch, der gegen seinen Nächsten ein falsches Zeugnis ablegt.
Sprüche 25,18
Ja, ich gebe es zu:
Ich bin ein großer Freund der Küche und werde von wohlriechenden Speisedüften geradezu magisch angezogen. Ich esse und genieße gerne gute und schmackhafte Dinge, vorzugsweise selbst zubereitet mit frischen und echten Zutaten. Aber auch einen Restaurant- oder Lokalbesuch lehne ich ungerne ab. Wenn ich das Wort Küche schon höre, spüre ich schon, wie mir das Wasser im Munde zusammenläuft.
Es gibt aber auch eine Küche, die zwar manchmal auch anziehend ist und den Appetit anregt, einem aber dennoch nach dem „Genuss“ des Dargebotenen auch gehörig den Magen verderben kann.
Ich spreche von der Gerüchteküche. Was da zusammengerührt wird, hat oft eine große Anziehungskraft, entpuppt sich dann aber in den allermeisten Fällen als ein Gericht mit einem oft mehr als einem faden Beigeschmack, manche der Gerichte stinken sogar zum Himmel.
Die Zutaten zu diesen sind meistens dieselben:
Gerüchte werden im Smalltalk unters Volk gestreut, gewürzt mit dem Siegel der Verschwiegenheit. Wobei natürlich stillschweigend vorausgesetzt wird, dass sie zwar doch weitergetragen werden, der Urheber selbst dabei aber im Dunkeln bleiben muss. Das Funktionieren von Gerüchten setzt hörbereite Ohren und geschwätzige Münder voraus. Aber Gerüchte verletzen, schmerzen und richten fast immer Schlimmes an. Dabei treffen sie den Leidtragenden der Gerüchte heimtückisch aus dem Verborgenen, immer ohne Vorwarnung, immer unvorbereitet. Gerüchte sind meistens unwahr oder ihre Wahrheit ist oft mit dem trüben und ekelerregenden Schlamm der Bosheit und Egozentrik des Verbreiters vermischt. Gerüchte scheinen unausrottbar zu sein und sind – einmal losgelassen – auch nicht mehr einzufangen.
Und wie steht Gott dazu? Gott ist, wie viele von Euch schon ahnen, überhaupt kein Freund von Gerüchten. Schon in den Zehn Geboten heißt es: „Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten“ (2. Mose 20,16; 5. Mose 5,20). Salomo schreibt: „Ein Hammer, ein Schwert, ein spitzer Pfeil: so ist ein Mensch, der gegen seinen Nächsten ein falsches Zeugnis ablegt.“ (Sprüche 25.18). Viele Menschen stellen sich gerne in den Mittelpunkt und halten sich für schlau, wenn sie Gerüchte ausstreuen, aber Salomo schreibt: „Wer Verleumdung ausstreut, ist ein Narr“ (Sprüche 10,18). Warum das denn? Weil ein solcher Narr langfristig das Vertrauen von wertvollen Menschen verliert. Salomo bringt es auf den Punkt: „Ein Verleumder verrät das Geheimnis, ein treuer Mensch hält es verborgen“ (Sprüche 11,13).
Diese und viele andere Stellen zeigen, was Gott von Gerüchten und Halbwahrheiten hält. Nämlich gar nichts. Denn Gott selbst ist ein Gott der Klarheit und der Wahrheit. Die zerstörerische Kraft von Gerüchten liegt in der Falschheit ihrer Verbreiter und in der Dunkelheit, in der sie verbreitet werden. Jesus dagegen ist die Wahrheit und Liebe in Person. Glasklar und im hellen Licht. Niemals hat Er über andere Menschen etwas Falsches gedacht oder gesagt.
Die Empfehlung Gottes deshalb auch an uns: Sei offen und wahr! Verbreite kein falsches Gerücht! Und wenn du drauf und dran bist, einem Gerücht Gehör zu schenken: Ohren dicht und Mund zu!
Gott will, dass seine Geschöpfe und erst recht Seine Kinder echt, wahr und transparent sind. Gegenüber sich selbst und gegenüber Anderen.
Deshalb wünsche ich dir und mir, dass wir beide der Gerüchteküche fernbleiben und ihr auch keine Geschmacksverstärker liefern, sondern im Willen Gottes Gerüchtekost-Verächter werden, sind und bleiben.
PS.: Die Leckerbissen aus der echten Küche darfst du dir dagegen gerne schmecken lassen. Guten Appetit!
Amen
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Lied: Gnade und Wahrheit – Anja Lehmann