Gedanken zum Abschied einer Lichtgestalt
„In den sozialen Medien sind sich die Nutzer einig: Die himmlische Fußballmannschaft hat einen neuen Kapitän – einen katholischen.“ (Zitat Jesus.ch). Nun ist wirklich der letzte deutsche Kaiser gestorben. Am vorletzten Sonntag, dem 07.01.2024 ist Franz Beckenbauer im Alter von 78 Jahren friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen.
Franz Beckenbauer war eine der ikonischen Gestalten des deutschen Sports und bereits zu Lebzeiten eine Legende. Mit 18 Jahren Profi-Debüt beim FC Bayern München, mit 20 Jahren Nationalspieler und erste WM 1966 in England. All seine sportlichen Erfolge ab diesen Zeitpunkten sprechen für sich und bescherten ihm mit vielen weiteren Auszeichnungen die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports.
Nach seinen vielen Erfolgen als Spieler wurde er auch als Trainer Weltmeister 1990 in Italien und ist damit neben Mario Zagallo (Brasilien) und Didier Deschamps (Frankreich) nur einer von drei Menschen, die sowohl als Spieler wie auch als Trainer Weltmeister wurden. Unvergessen sein alleiniges, in sich gekehrtes, nachdenkliches Gehen über den halbdunklen Platz im Stadion von Rom, während seine Spieler Ehrenrunden drehten.
Endgültig zur sprichwörtlichen „Lichtgestalt“ wurde er, als er als Vorsitzender des deutschen Bewerbungskomitees der WM 2006 diese relativ überraschend nach Deutschland holen konnte und unserem Land ein bis heute unvergessenes „Sommermärchen“ bescherte. Und das machte ihn einzigartig und hob ihn noch über Zagallo und Deschamps hinaus.
Gibt es denn eine himmlische Fußballmannschaft? Das ist ungefähr genauso unwahrscheinlich, wie es einen Fußballgott gibt, der von Fans immer zur Unterstützung ihrer jeweiligen Mannschaft beschworen wird. Aber Spaß beiseite. Was glaubte Franz Beckenbauer und werden wir, wenn wir in den Himmel kommen, ihn dort sehen? Diese Frage ist natürlich hypothetisch und keinem von uns steht das Recht zu, zu beurteilen, wer in den Himmel kommt und wer nicht. Schließlich sieht nur Gott, was im Herzen eines Menschen vorgeht, oder?
Franz Beckenbauer hat zwar in den 90er Jahren noch an eine Wiedergeburt im Sinn des Hinduismus geglaubt (1994). Später hat er sich aber dann – besonders nach einer Audienz bei Papst Benedikt XVI. mit Rudi Völler – zum katholischen Glauben bekannt. Das „Vaterunser“ war ihm sehr wichtig (2008). Ob er im christlichen Sinn wieder geboren und damit für die Ewigkeit gerettet war? Das können wir getrost der Weisheit, aber auch Gnade Gottes überlassen.
Franz Beckenbauer war beliebt, ist bis zuletzt bodenständig und freundlich geblieben, zuletzt aber war es ruhig um ihn geworden. Er hat seinen Sohn durch Hirntumor loslassen müssen. Und sein Bild als Lichtgestalt hat im Laufe der Zeit und zuletzt auch Kratzer bekommen und auch den ein oder anderen dunkleren Schatten geworfen. Und viele haben ihn dann auch heuchlerisch fallen lassen, worunter er vermutlich ebenfalls sehr gelitten hat. Große eigene gesundheitliche Probleme kamen hinzu.
Ein Mensch, sei er ein Idol für viele wie Franz oder unbekannt wie jeder von uns, kann eben nicht aus eigener Kraft fehlerlos bleiben. Genau deshalb kam ja Jesus, um uns zu erlösen und mit Gott zu versöhnen. Er starb am Kreuz für all den Mist, den wir bauen, vor Gott und auch unseren Mitmenschen.
Die Lebensleistung Beckenbauers muss man mit all diesen Einschränkungen trotzdem absolut würdigen und gerade viele von uns Älteren verbinden gute Erinnerungen mit unserem letzten Kaiser.
Ich persönlich mochte ihn immer und wünsche ihm, dass er Jesus in sein Herz eingeladen hat und ihn als den erkennen durfte, der uns nie fallen lässt und dass er nun im Himmel diesen Frieden und diese Ruhe finden darf, der ihm am Schluss von den Menschen nicht mehr uneingeschränkt vergönnt war.
Amen
Lied: Such, wer da will, ein ander Ziel – (Georg Weissel 1590-1635)