Erntedank und Teilen
Am vergangenen Sonntag wurde in den Kirchen landauf, landab Erntedank gefeiert. Erntefeste gab es schon in vorchristlicher Zeit, im Judentum gab es z.B. das Schawuot, bei dem die Bauern 50 Tage nach Pessach (Passah) ihre Erstlingsfrüchte im Jerusalemer Tempel als Dankopfer Gott darbrachten. Zurück geht dieses Fest auf eine Anweisung Gottes in 2. Mose 23,14 ff., wo Mose in Vers 16 von Gott gesagt wird: „Feiert dann das Erntefest, bei dem ihr mir den ersten Ertrag von dem Getreide darbringt, das ihr ausgesät habt. Als drittes sollt ihr das Fest der Wein-und Obsternte am Ende des Jahres feiern, wenn ihr die Früchte aus den Weinbergen und Gärten geerntet habt.“
Und wer weiß schon, dass auch der „Cannstatter Wasen“, der an diesem Wochenende zu Ende geht, seinen Ursprung als Erntefest hat?
Aber erst im Judentum und daraus folgend im Christentum kam der Gedanke auf, Gott für die Gaben zu danken, die Er gibt. Das betraf in erster Linie die landwirtschaftlichen Ernteerträge, kann aber heute problemlos auf alles ausgedehnt werden, was Gott uns schenkt. „Unser tägliches Brot gib uns heute“, beten wir im Gottesdienst als Teil des Vater Unsers manchmal recht gedankenlos vor uns hin, während der ein oder die andere an den Sonntagsbraten denkt, der mit Zeitschaltsteuerung auf dem Herd schon vor sich hin schmort. Unser tägliches Brot und alles, was wir darunter verstehen können, ist nicht selbstverständlich. Wir bekommen eine Ahnung davon, wenn sogar bei uns der Klimawandel zu Veränderungen führt. Der Mais stand auf manchen Feldern beklagenswert da, die Apfelernte war katastrophal dieses Jahr. Und nur, weil bei uns die Regale (noch) gut gefüllt sind, bedeutet dies nicht, dass dies anderswo ebenso ist. Denn selbst wenn es auch bei uns manchmal zu Einschränkungen durch die Lieferketten kommt: Wohin verkaufen die multinationalen Nahrungsmittelkonzerne denn ihre Waren, wenn die Zahlungsfähigkeit der Abnehmer sinkt? Sie verkaufen zuerst an die Länder, die reich sind und zu denen gehören wir immer noch. Und umso leerer sind dann die Regale anderswo. Aber auch bei uns gibt es viele Menschen in Not, die nicht mehr im Supermarkt und Discounter einkaufen können. Die Menschen, die sich in Tafelläden engagieren, können ein Lied davon singen, siehe auch Interview mit Eva Bajus, Leiterin des Tafelladens Bretten von vor einem Jahr! Erntedank für reiche Menschen – jeder möge dies für sich selbst definieren – kann deshalb auch so aussehen, dass man teilt. Entweder Geld oder Waren, aber auch Zeit, indem man beginnt, sich für andere Menschen einzusetzen und ihnen zu helfen, so wie Gott es für uns alle tut. Im Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 16 werden wir erinnert und aufgefordert, genau dies zu tun, denn allzu leicht vergessen wir es: „Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. An solchen Opfern hat Gott Gefallen.“ Auch deshalb finde ich es gut, dass immer mehr Gemeinden und auch die Diedelsheimer Kirchengemeinde dies schon lange tun oder mittlerweile dazu übergehen, die Erntedankgaben weiterzugeben an die, welche sie dringend benötigen.
Wie auch in diesem Jahr in Diedelsheim an den Tafelladen.
Amen
Lied: Alle guten Gaben – Chris und Henni
Zum kritischen Weiterlesen: Erklärung von Bern des Forums Umwelt und Entwicklung – Agropoly – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion