Erfolg mit Verfallsdatum
Letztes Jahr, es könnte Anfang November gewesen sein, hatte ich mit einem jungen Kollegen, der gerade erfolgreich seinen Master abgeschlossen hatte, ein kurzes Gespräch über den Begriff Erfolg.
Was ist Erfolg und was macht ihn aus?
Erfolg hat viele Gesichter, sowohl inhaltlich als auch durch die Art und Weise, wie man ihn sieht, bzw. mit welchen Voraussetzungen und Herangehensweisen man ihn definiert. Meine Definition: Erfolg ist das positive Ergebnis von Bemühungen eines Menschen um die Erreichung selbstgesteckter Ziele. Ohne Anstrengung geht es in der Regel nicht; oder aber die Ziele wurden zu niedrig gesteckt und ob man das dann noch als Erfolg verbuchen kann, sei jedem selbst überlassen. Der o.g. Vers stellt die Frage nach der Nachhaltigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit dieses ganzen Bemühens und ist Teil eines sehr lesenswerten Abschnittes im Alten Testament im Predigerbuch, Kapitel 2,17-26.Die Aussage des Textes ist, dass die Konzentration auf diesseitigen Erfolg und das Erreichen rein irdischer Ziele nicht ausreicht. Es ist ein Haschen nach Wind (V.17), weil der Erfolg flüchtig ist. Ein anderer Mensch profitiert nach mir von dem Erreichten (V.18), wie der damit umgeht, kann ich nicht beeinflussen (V.19). Die Gedanken des gesamten Abschnittes sind sehr klar und nachvollziehbar und ein absoluter Augenöffner, was die Dauerhaftigkeit irdischen Erfolges angeht. Denn sind wir mal ehrlich, wer Erfolg hat, möchte auch die Früchte genießen, deshalb wird Erfolg überhaupt erst erstrebt. Aber wenn wir dann Erfolg haben und die Früchte genießen, stellen wir fest, dass sie durch Neider bedroht sind, durch Leute, die teilhaben wollen oder die unseren Erfolg als Sprungbrett für sich selbst nutzen wollen. Und sie sind bedroht von Diebstahl oder der Zeit, die unerbittlich gegen die Dauerhaftigkeit unseres persönlichen Erfolges läuft. Die wenig attraktive Erkenntnis daraus ist, dass all der Erfolg der Menschen, den sie im Hier und Jetzt erzielen, in der Mühle der Zeit zerbröselt wird und dass Menschen, die ausschließlich auf den irdischen Erfolg setzen, auf dem Holzweg sind, weil sie erkennen müssen, dass sie spätestens mit ihrem irdischen Tod wieder mit denselben leeren Händen dastehen, mit denen sie einmal auf die Welt kamen.Auch einem Jeff Bezos, Elon Musk und anderen Global Playern, die den maximalen Erfolg haben und am Ende der Leiter angekommen sind, wird es da auch höchstwahrscheinlich nicht anders gehen als anderen Leuten. Ich erinnere mich z.B. an die Kurzsichtigkeit des reichen Kornbauern, der eine fette Ernte einfährt, große Scheunen baut, betriebswirtschaftlich alles richtig macht und zu dem Gott doch sagen muss: «Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast?» Woody Allen, sehr erfolgreicher Regisseur und überzeugter Atheist, hat zum Thema Erfolg mal gesagt: «Was immer wir tun zu Lebzeiten, ist am Ende eine sinnlose Illusion, weil nichts von Bestand sein wird. Gar nichts.» Aber was kann man dagegen tun, was rät uns der Herr Jesus? «Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen!» (Matth. 6,19-20)
Was sind diese Schätze im Himmel? Wie kann man sie erwerben?
Darum soll es nächste Woche gehen.
Amen
Jens Völker (28.01.2023)
Lied: Vom Schätzesammeln