Einfach mal die Seele baumeln lassen! Von der Balance zwischen Freiheit und Verankerung

„Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!“

Jeremia 6,16

Es ist Urlaubszeit und für viele heißt das Motto: Endlich mal loslassen den Alltagsstress! Mal was Neues sehen! Entspannung pur! Die Seele baumeln lassen! Auch ich freue mich schon auf unseren Urlaub wieder 10 Tage in Südtirol, den wir heute antreten.

Woher aber kommt eigentlich dieser Ausdruck: „…die Seele baumeln lassen?“. Tatsächlich wird er Kurt Tucholsky zugeschrieben, der das in verschiedenen Werken einfließen ließ. Was bedeutet es? Vielleicht  einfach mal den Zwängen und Verpflichtungen entfliehen, frei sein? Und wo scheint das besser zum Ausdruck zu kommen als im Urlaub?

Aber nach 2-3 Wochen ist der lang ersehnte und ersparte Urlaub wieder vorbei und jeder von uns muss schweren Herzens wieder zurück in mancherlei Tretmühlen, durch die unsere Seele sich oft gefesselt fühlt.

Wenn etwas baumelt, dann kann es sich relativ frei und ungezwungen bewegen. Wie unsere Seele zum Beispiel, wenn sie im Urlaub baumelt. Zur ganzen Wahrheit gehört dabei allerdings auch, dass etwas, das baumelt, auch irgendwo verankert oder aufgehängt sein muss. Unsere Beine, die im Wasser baumeln, die Schaukel am Baum, das am Hals hängende Kettchen oder der Schlüsselbund am Haken.

Was also ist wichtig für etwas, das baumelt? Eine gute Kombination von sicherer Verankerung, aber auch genügend Freiheit.

Und wie ist das nun mit der „baumelnden Seele? Wenn  unsere Seele gefesselt ist, sehnen wir uns danach, dass wieder eine gewisse Freiheit bekommt. Freiheit ohne eine gute Verankerung jedoch schlägt leicht in Haltlosigkeit um.

Ich glaube, viele Menschen fühlen sich heute der Freiheit ihrer Seele aus verschiedenen Gründen beraubt. Aber um diesen Zustand nicht nur temporär abzumildern, sondern dauerhafte Entspannung durch Freiheit zu erleben, brauchen wir nicht nur ab und zu Urlaub, sondern auch den richtigen dauerhaften Anker- und Bezugspunkt.

In Psalm 116,7 können wir lesen: „Kehre zurück, meine Seele, zu deiner Ruhe!“ (Elberfelder). Offensichtlich hat nicht nur äußere Entspannung, sondern auch innere Ruhe ihre positiven Auswirkungen auf unsere Seele. Vielleicht dachte der Kirchenvater Augustinus auch an diese Stelle, als er schrieb: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“Wo also finden wir diese Ruhe? Augustinus ist der Meinung, wir finden die Ruhe für unser Herz, die unsere Seele auf gute Weise baumeln lässt, nicht im Urlaub, sondern in der Verankerung in Gott.

Warum aber sind so viele Menschen unruhig, sehnen sich nach Ruhe für ihre Seelen, versuchen aber nur, diesen Zustand mit kurzfristigen Maßnahmen zu lindern?

Weil sehr, sehr viele Menschen die Verankerung in den Wegen Gottes nicht nur nicht mehr kennen oder suchen, sondern diese Option sogar bewusst ablehnen. Bekommen sie dann den entsprechenden Tipp, diese Option wahrzunehmen, dann sagen sie: Wir wollen es nicht tun!

Jeremia war ein alttestamentlicher Gerichtsprophet für Israel. Durch ihn gab der Herr Israel und auch uns heute folgenden Rat (Jer. 6.16):

„Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!“

Was war die Reaktion Israels? „Aber sie sprachen: Wir wollen es nicht tun!“

Wie würde ich mir wünschen, dass die Menschen unserer Zeit schlauer wären und sagen würden: „Wir wollen es tun!“.

Lasst deshalb wenigstens uns so schlau sein, im Urlaub nicht nur temporär die Seele baumeln zu lassen, sondern auch wieder bewusst nach den guten Wegen Gottes zu fragen und sie zu gehen, uns in ihnen zu verankern und damit dauerhaft Ruhe zu finden für unsere Seelen!

Amen

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