Der Fremde - Teil 3 Erkenntnis und Reaktion
Zwei Jünger aus dem erweiterten Jüngerkreis Jesu sind am Nachmittag des ersten Tages der Woche auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus unterwegs. Wie aus dem Nichts treffen sie einen Fremden, erzählen ihm, was in Jerusalem mit Jesus von Nazareth geschehen war und bekommen wiederum von dem Fremden, bei dem es sich um keinen anderen als den auferstandenen Herrn handelt, eine Einweisung der Schriftstellen und Prophetien des Alten Testaments auf das erste Kommen des Messias.
In Emmaus angekommen laden die beiden den Fremden ein, noch bei ihnen zu bleiben und die Nacht zu verbringen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie Jesus noch immer nicht erkannt.
Beim Abendessen nimmt der Fremde das Brot, spricht den Segen, bricht das Brot und gibt es ihnen. Bis zu diesem Moment waren ihre „Augen gehalten“ (V.16), aber jetzt werden ihnen die Augen geöffnet. Beim Brechen des Brotes erkennen sie Ihn endlich.
Nun hätte man annehmen können, dass große Freude über das Wiedersehen entsteht, die drei noch einen schönen, langen Abend mit viel Gespräch miteinander verbringen und die Geschichte danach endet.
Aber Jesus verschwindet vor ihren Augen. Da sprechen sie zueinander: “Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg, und als er uns die Schriften öffnete?“
Und sie machen sich sofort auf den Weg und laufen die ganzen 11 km zurück nach Jerusalem zu den elf Jüngern Jesu. Aber die Neuigkeiten sind ihnen bereits voraus-geeilt, denn die anderen erzählen ihnen:
“Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und er ist dem Simon erschienen!“
Da erzählen auch sie, was sie auf dem Weg mit Jesus erlebt hatten und dass sie ihn am Brotbrechen erkannt hatten. (nachzulesen in Lukas 24,30-35)
Zwei Verse haben mich beim Lesen besonders ins Nachdenken gebracht:
Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht (Vers 27). Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg, und als er uns die Schriften öffnete (Vers 32)?
Das Wort Gottes ist auf Kausalität, auf Ursache und Wirkung, angelegt.
Vers 27 ist die Ursache für eine Wirkung, die in Vers 32 von den Jüngern beschrieben wird.
Nicht nur, dass Jesus den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus nachwies, dass alles Entscheidende, was durch Ihn am Kreuz geschehen war, bereits Jahrhunderte, ja sogar z.B. seit 1. Mose 3,15 vorausgesagt war und sie dadurch plötzlich Licht für den eigentlichen Auftrag Jesu und seine Person bekamen.
Sondern auch ich lerne von Jesus und den Jüngern auch etwas über mein eigenes Verständnis und meinen eigenen Umgang mit dem Wort Gottes.
Wenn ich die Bibel, das Wort Gottes, wirklich verstehen möchte, brauche ich dazu Jesus und den Heiligen Geist.
Mein menschliches Verständnis des Wortes Gottes wird immer begrenzt und beeinflusst sein von der eingeschränkten Auffassungsgabe meines menschlichen Geistes, aber vor allem von ausschließlich menschlichen Vorstellun-gen, die ich persönlich von Gott und Jesus habe.
Wenn ich aber zulasse, den Käfig meines eingeschränkten menschlichen Denkens zu verlassen und von Jesus selbst durch den Heiligen Geist gelehrt zu werden, dann erschließt sich das Wort Gottes nicht nur meinem Kopf, sondern auch mein Herz beginnt zugleich vor Freude und Begeisterung zu brennen.
Amen
© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt