Der Fremde - Teil 2 Jesus ist anders als meine Projektion menschlicher Wünsche

Der für die Jünger noch immer Fremde antwortet:

„O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“

Und mit diesem Wort fängt der Fremde an, den beiden das Alte Testament auszulegen und alles zu erklären, was sich dort prophetisch auf den Messias bezieht. Schließlich nähen sich die drei Männer dem Ziel der beiden Jünger, dem Dorf Emmaus. Der Fremde tut so, als wollte er weitergehen, doch die beiden Jünger nötigen ihn, bei ihnen zu bleiben und sagen zu ihm:

„Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt!“

Da geht der Fremde mit ins Haus, um bei ihnen zu bleiben (nachzulesen von Lukas 24,25-29).

Für die beiden Jünger ist ja eine Welt zusammengebrochen. Auf diesen Jesus, der jetzt gestorben und begraben worden war, hatten sie ihre ganze Hoffnung auf ein befreites Israel gesetzt und nun hatten sich alle Hoffnungen und Erwartungen scheinbar zerschlagen.

Doch der Fremde macht ihnen klar, dass dieser Jesus eine Wunschprojektion in ihrem Kopf war und diese Projektion noch dazu unvollständig war, weil sie Bibelstellen wie z.B. den leidenden Gottesknecht aus Jesaja 53 und viele andere außer Acht lässt.

Dann nennt und erklärt er ihnen anhand des Alten Testaments alle Schriften, die das erste Kommen und das notwendige Leiden Jesu voraussagen und genau auf die Dinge hinweisen, die sich in Christus Jesus klar erfüllten. Schriftstellen übrigens, die bis heute in den Lesungen der jüdischen Synagogen absichtlich weggelassen werden.

Und hatte nicht auch der Herr zu Pilatus gesagt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh. 18,36)?

Ich stelle mir Fragen:

Wie oft identifiziere ich, genau wie die beiden Jünger, meine Vorstellungen von und Erwartungen an Jesus nur mit dem Bild, was ich von Ihm in meinem Kopf habe und nicht mit dem, was im AT und im NT über Ihn offenbart wird?

Und wenn Jesus mir klar macht, dass Er anders ist als meine Vorstellungen von ihm, wie reagiere ich dann?

Bin ich froh, wenn der gemeinsame Weg endet und ich zu Ihm sagen kann: “Tschüss, mach’s gut“?

Oder bleibe ich offen für eine neue Sicht auf den Herrn und andauernde Gemeinschaft mit Ihm und sage: “Bleibe noch bei mir, ich will noch mehr von Dir wissen!“?

Denn das ist der wahre Grund, warum die Jünger den Fremden – und sie haben Jesus noch immer nicht erkannt -, bitten, bei ihnen zu bleiben. Dieser Mann fasziniert sie. Sie wollen noch mehr von ihm hören, noch mehr von ihm lernen, mit ihm weiter Gemeinschaft haben.

Daran kannst du und auch ich, daran können wir alle uns ein Beispiel nehmen.

Deshalb:

Lasst uns nicht dem Jesus unserer gescheiterten Vorstellungen und Erwartungen nachtrauern, sondern lasst uns gespannt sein auf den Jesus und auferstandenen Sohn Gottes, der im Glauben durch den Heiligen Geist in unserem Herzen Wohnung nimmt und der uns immer mehr in die Realität und Gegenwart seiner wahren Person und unserer eigenen Berufung hineinnehmen möchte!

Amen

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