Der Fremde - Teil 1 Eine Begegnung mit Folgen
Es war am ersten Tag der Woche, früher Nachmittag. Auf dem Weg zwischen Jerusalem und dem Dorf Emmaus waren zwei Leute unterwegs. Viel war passiert in Jerusalem in den letzten Tagen. Um noch vor Abend daheim im ca. 11 km entfernten Emmaus (60 Stadien) zu sein, waren sie losgelaufen, obwohl die Neuigkeiten in Jerusalem sich gerade überschlugen. So ging ihnen der Gesprächsstoff nicht aus.
Und dadurch kam es, dass sie nicht bemerken, dass plötzlich ein Fremder auf dem Weg auftaucht und beginnt, mit ihnen zu gehen. Nun spricht er sie an und fragt freundlich:
„Was habt ihr unterwegs miteinander besprochen, und warum seid ihr so traurig?“
Einer der beiden, der Kleopas heißt, antwortet dem Fremden erstaunt:
„Bist du der einzige Fremdling in Jerusalem, der nicht erfahren hat, was dort geschehen ist in diesen Tagen?“
Da fragt Jesus, denn um niemand anderen als dem Auferstandenen handelt es sich bei dem Fremden:
„Was denn?“
Da erzählen sie ihm beide:
„Das mit Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk; wie ihn unsere obersten Priester und führenden Männer ausgeliefert haben, dass er zum Tode verurteilt und gekreuzigt wurde. Wir aber hofften, er sei der, welcher Israel erlösen sollte. Ja, bei alledem ist heute schon der dritte Tag, seit dies geschehen ist! Zudem haben uns auch einige Frauen aus unserer Mitte in Verwirrung gebracht; sie waren am Morgen früh beim Grab, fanden seinen Leib nicht, kamen und sagten, sie hätten sogar eine Erscheinung von Engeln gesehen, welche sagten, er lebe. Und etliche der Unsrigen gingen hin zum Grab und fanden es so, wie es auch die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber haben sie nicht gesehen.“
Soweit der erste Teil der Geschichte, nachzulesen bei Lukas 24,13-24.
Ein Detail habe ich Euch unterschlagen. Die beiden Leute gehörten zum erweiterten Jüngerkreis Jesu. Warum aber haben sie Ihn nicht erkannt? Vers 16 gibt uns die Antwort: Ihre Augen aber wurden gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten.
Mir stellt diese Begebenheit zwei Fragen und ich gebe sie an Dich weiter:
Wie oft bist du unterwegs und mit deinen eigenen Gedanken und Sorgen beschäftigt und rechnest gar nicht mit der Realität des Auferstandenen in deinem Leben und in deiner Nähe?
Wie oft ist Jesus mit dir auf dem Weg und du erkennst ihn nicht einmal, obwohl du ihn kennen müsstest?
Ich glaube, Jesus ist oft mit uns unterwegs, aber wir erkennen ihn nicht, weil unsere geistlichen Augen gehalten sind.
Wer oder was hält unsere Augen?
Oft sind es unsere Alltagsprobleme, unsere mangelnde Offenheit für die Gegenwart des Herrn in unserem Leben oder unsere Fixierung auf uns selbst.
Mir fällt noch auf, wie liebevoll, geradezu seelsorgerlich der Herr das Gespräch einleitet. Jesus ist niemand, der sich aufdrängt. Er ist auch nicht neugierig, sondern Seine Frage ist dadurch motiviert, dass Er bemerkt, dass die beiden Jünger traurig sind.
Mir tut es gut zu wissen, dass ich einen Herrn habe, der mit mir auf dem Weg ist und der sich um das kümmern möchte, was mich bekümmert.
Amen
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