Der Fremde - Nachgedanken - Huhn oder Ei Überlegungen zur Prophetie in der Bibel
Eine bekannte philosophische Frage ist das Problem, was bei der Entstehung von Hühnern zuerst da war: Das Huhn oder das Ei?
Eine schöne Frage, über die sich schon viele den Kopf zerbrochen haben. Philosophen sind ja, vereinfacht gesagt, nicht primär an einer pragmatischen Lösung interessiert, sondern hauptsächlich an dem philosophischen Problem selbst. Da aber die Welt zutiefst pragmatisch ist, brauchen wir eine pragmatische Lösung des Problems.
Vom Glauben her ist die Beantwortung der Frage relativ leicht. Gott schuf ein erwachsenes Huhn mit der Fähigkeit, Eier zu legen. Und einen Hahn. Fertig. Gut, das war jetzt vielleicht ein bisschen flapsig.
Wer aber einen Schöpfer kategorisch ausschließt, hat noch deutlich mehr Schwierigkeiten bei der pragmatischen Transformation dieser philosophischen Frage.
Aber eigentlich ist das gar nicht unser Thema heute Morgen, oder :-) Obwohl? Vielleicht doch.
Mit den Prophezeiungen der Bibel verhält es sich nämlich ganz ähnlich. Unbestritten ist die Bibel das einzige Buch, dass sich sehr weit aus dem Fenster lehnt, was Prophezeiungen angeht, da sie sie zum großen Teil sehr detailliert ausspricht. Und erstaunlicherweise dazu noch mit einem enormen, statistisch nicht erklärbaren nachträglichen Erfüllungsgrad.
Der Fremde (Jesus) hatte die beiden Jünger ja gerade mit dieser Detail- und Erfüllungsgenauigkeit der alttestamentlichen Prophezeiungen auf Seine Person hin gefesselt und überzeugt.
Bei Interesse: Hier eine Aufstellung der Jesus-Prophezeiungen im AT
Kritiker der Bibel und Atheisten bringt das natürlich in ein Dilemma. Prophezeiungen in dieser Qualität und Erfüllung, wie sie die Bibel beschreibt, setzen einen ewigen, allwissenden und allmächtigen Gott und Herrn der Geschichte voraus. Atheisten lehnen Gott ab. Das fordert natürlich dazu heraus, nach Erklärungen des Phänomens zu suchen.
Da wäre z.B. zunächst die Theorie des nachträglichen Hineinkopierens. Jesaja 53 ist ein Beispiel. Man hat lange angenom-men, das Kapitel wäre das Werk von christlichen Kopisten, die den Text, wie auch immer, nachträglich in die Thora hineinschmuggelten. Aber abgesehen davon, dass die Juden peinlich auf die Genauigkeit ihrer Schriften achteten, lagen diese ja auch in sehr großer Zahl vor.
Spätestens der Fund der in die Zeit des 4.-2. Jhdt. vor Christus datierten Rollen der Qumran-Handschriften in den Jahren 1947-1956 auch mit Jesaja 53 und allen anderen zerstörte diese ohnehin unglaubwürdige Theorie endgültig.
Die zweite Theorie ist die Spätdatierung der alt- und neutestamentlichen Schriften in die Zeit nach den darin prophezeiten Ereignissen mit teilweise fadenscheinigen Begründungen. Ein gutes Beispiel eines solchen Umgangs mit dem Neuen Testament ist die Datierung aller neutestamentlichen prophetischen Aussagen hinsichtlich der Zerstörung des jüdischen Tempels 70 n. Christus durch die Römer unter Vespasian und dessen Sohn Titus, in die Zeit ab oder nach dem Ereignis. Schriften dagegen, in denen die Zerstörung nicht erwähnt wird, kann oder muss man wiederum vorher datiert lassen. So lassen sich Prophezeiungen durch historische Kunstgriffe mit zweifelhafter Neutralität aushebeln. Von der Vorgehensweise und Motivation her dann aber ein klassischer Zirkelschluss.
Die dreisteste Theorie aber ist für mich tatsächlich, den Evangelien-Schreibern zu unterstellen, die im Alten Testament vorhergesagten Ereignisse einfach ihren eigenen Berichten anzupassen, um Jesus dadurch mit Unterstützung der Schrift unberechtigt auf den Messias-Sockel stellen zu können. Damit jedoch macht man die Schreiber zu heimtückischen Lügnern, die ihre Leser arglistig täuschen wollten.
Diese Menschen waren allerdings absolut integer und bezeugten einmütig die Geschehnisse. Außerdem fehlt u.a. komplett das Motiv. Was hatten sie denn davon? Keinerlei Gewinn, vielmehr Unannehmlichkeiten bis hin zum Märtyrertod. Und dann hätten sie sich auch noch entsprechend abstimmen müssen.
Nein, die Lösung ist so naheliegend wie einfach: Der ewige, allwissende Gott, Herr der Geschichte, teilt uns in Seinem Wort die Wahrheit über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit und von Ihm berufene Menschen schrieben sie auf.
Und somit war das Huhn (Prophezeiung) vor dem Ei (Erfüllung) da.
Amen
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Lied: Dein Wort ist wie ein Lichtstrahl – Gemeinde Gottes Erlenbach