Aus Israels Fall kam Gutes für uns (Römer 11,11-16)
Kann denn aus etwas Negativem Gutes entstehen?
Den zweiten Abschnitt des 11. Kapitels des Briefes von Paulus an die Römer 11-16) beginnt dieser in Vers 11 mit einer rhetorischen Frage. Da heißt es: „Ich frage nun: Sind sie denn gestrauchelt, damit sie fallen sollten?“ Und wieder antwortet er sich selbst wie letzte Woche auf die rhetorische Eingangsfrage mit einem entschiedenen und energischen: „Das sei ferne!“.
Paulus kann nicht deutlich genug betonen, dass Gott sein Volk nicht willentlich straucheln ließ, damit sie fallen. Sondern das Volk hat ganz bewusst seinen Fall selbst herbeigeführt, indem es den wahren Messias Jesus Christus ablehnte. Obwohl der Herr eindeutig messianische Wunder getan hatte, wurden diese von den führenden Männern wider besseres Wissen nicht anerkannt, sondern es wurde Jesus sogar unterstellt, diese Wunder mit Hilfe des Satans herbeizuführen. Eine Schlüsselstelle stellt hier sicherlich Matth. 12, 22-32 dar.
Ich bin überzeugt: Hätten die Juden damals Jesus als ihren Messias anerkannt, hätte die weitere Geschichte Gottes mit den Menschen einen komplett anderen Verlauf genommen. Es hätte das Zeitalter der Gemeinde, das aktuell noch andauert, wohl nie gegeben.
Gott hat sich in diesem Zeitraum besonders auch den heidnischen Nationen zugewandt und dies ist ein großes Glück für uns. Für die ultrafrommen Juden dagegen ein unfassbarer und geradezu unzumutbarer Vorgang.
„Ist denn nicht Israel, sind nicht wir das Volk Gottes?“, sagen sie. „Und nun soll dieser Gott Israel uns zurücksetzen und sich den Heiden zuwenden, die bis dahin noch überhaupt nichts von Ihm wussten?“
Unerhört! Das machte und macht viele fromme Juden eifersüchtig, weil sie ihren Gott nicht teilen wollen. Auf diese Eifersucht setzt Paulus und will einige seiner jüdischen Landsleute gerade dadurch reizen und retten.
Letzte Woche habe ich es gesagt: Gott hat sein Volk nicht verstoßen, es aber aktuell zurückgesetzt und sich seit 2000 Jahren verstärkt der Gemeinde zugewandt. Das Verhältnis Gottes zu Israel wird im AT oft mit dem eines Ehemannes zu seiner Ehefrau verglichen. Diese lebt aktuell von ihm getrennt. Allerdings: Sie ist ausgezogen, nicht Er. Die Gemeinde dagegen ist die Braut Christi, die im Heiligen Geist bereits mit ihrem Bräutigam verbunden ist, aber noch darauf wartet, vom Bräutigam abgeholt zu werden und Hochzeit zu feiern.
Man darf aber diese beiden Körperschaften, Israel, das Volk Gottes und die neutestamentliche Gemeinde nicht gegeneinander ausspielen. Sie sind zwar unterschiedlich, leben aber dennoch von derselben Wurzel. Durch die Ablehnung des Messias durch die Juden starb dieser für die Sünden der ganzen Welt und dadurch kamen und kommen wir alle in den Genuss der Gnade und Versöhnung mit Gott, wenn wir Jesu Opfer annehmen und an Ihn glauben. Wieviel mehr Segen für die Welt wird aber erst noch entstehen, wenn Israel als Volk Gottes zum Herrn zurückkehrt? Das wird wunderbar sein. Immerhin führte die Annahme so vieler Menschen, die aus der Sicht Israels Heidenvölkern sind, dazu, dass doch viele Juden das Wort prüften und schließlich an „Yeshua Hamashiach“ (Jesus, den Messias) gläubig wurden.
Die Verwerfung des Messias durch die Juden versöhnte die Welt mit Gott, aus der noch ausstehenden Annahme des Herrn durch Israel wird neues Leben für Israel entstehen (siehe auch Hesekiel 37,1-14). Die heute an Jesus glaubenden Christen aus dem Judentum sind der Überrest und gleichzeitig die Erstlingsgabe dieser Verheißung. Aber auch der heute noch ungläubige Rest, der Teig (Vers 16) ist heilig. Denn Gott wird sich auch ihnen noch einmal zuwenden.
Die Wurzel ist heilig, deshalb sind es auch die Zweige, auch wenn sie im Moment keine Früchte tragen. Aber sie werden wieder zu blühen beginnen.
Amen
Lied: El Shaddai – Cover Youtube (teilweise hebräisch, deutsch, englisch)