2. Advent – Entscheidung und Konsequenz

Letzte Woche haben wir über zwei Botschaften nachgedacht, die aus menschlicher Sicht extrem schwer zu glauben sind. Josef sollte Maria glauben, dass sie als Jungfrau schwanger war durch die Kraft des Heiligen Geistes und den Messias, den Sohn Gottes gebären würde.

Und wir sollen glauben und uns darauf vorbereiten, dass Jesus wiederkommen wird.

Aus Josefs und unserer Haltung in diesen Fragen folgen Reaktionen und Konsequenzen. Diese wollen wir heute betrachten.

Wie reagierte Josef in der Situation, in die er so unvermittelt hineingestellt worden war?

Er reagierte zunächst sehr menschlich und glaubte die Botschaft natürlich nicht. Aber in Bezug auf Maria verhielt er sich hochanständig und für damalige Zeiten und die damalige, männlich dominierte Gesellschaft geradezu revolutionär. Statt sie in Schimpf und Schande davonzujagen, was sein Recht gewesen wäre, aber auch durchaus realistisch die Steinigung Marias zur Folge hätte haben können, gedachte er, sich in allerDiskretion von ihr zu trennen und somit gewissermaßen die Schuld auf sich zu nehmen.

Es hätte dann so ausgesehen, als habe er Maria geschwängert, sie dann nicht mehr haben wollen und sie fortgeschickt. Das Kind wäre in den Augen der Leute seines gewesen. Maria, die vermeintlich Treulose, hätte im Rahmen dieses Verhaltens für das Umfeld wie das Opfer ausgesehen, Josef wie der Täter. Wir sehen auch daran, wie Josef trotz aller Zweifel Maria noch liebte.

Josef war drauf und dran, diesen Plan in die Tat umzusetzen und seiner gesellschaftlichen Reputation schweren Schaden zuzufügen. Aber Gott sandte ihm eine Botschaft durch einen Engel im Traum, der ihm die Wahrheit von Marias Geschichte bestätigte und ihn überzeugte, Maria zu sich zu nehmen (Matth. 1,18-25).

Die Konsequenz war, dass Josef der Botschaft und damit Maria glaubte.

Auch die Verkündigung der Botschaft, dass Jesus wiederkommen wird, widerspricht jeglicher menschlichen Erfahrung und wer heute offen zum Glauben an diese Botschaft steht, läuft Gefahr, nicht für voll genommen zu werden. Wir sind zwar Christen, aber wir wollen als Christen in Bezug auf unseren Glauben auch ernst genommen werden. Deshalb halten wir uns dann lieber an den bereits bekannten Tatsachen und Traditionen fest, die uns aus der Vergangenheit überliefert sind und gesellschaftlich selbst bei Nichtgläubigen respektiert sind.Die Konsequenz einer solchen Betrachtungsweise aber wäre ein stark traditionell und rückwärtsgewandtes Christsein, im besten Fall mit einer vagen Hoffnung auf einen möglichen Himmel. Wenn ich als Christ so unterwegs bin, werde ich im Rahmen meines rein traditionellen Verhaltens zwar nicht mehr so sehr anecken, gleichzeitig jedoch Prophezeiungen der Bibel gegenüber ziemlich misstrauisch sein und bleiben.

Wer der Botschaft der Wiederkunft Jesu aber vollen Glauben schenkt, wann immer diese auch geschehen mag, wird ganz andere Konsequenzen für sein Christsein erleben. Ich werde zwar auch dann die Ankunft des Herrn vor 2000 Jahren feiern, schätzen und mich ihrer erfreuen, aber ich werde mich deutlich mehr nach der Zukunft ausrichten. Ich werde von einer lebendigen Hoffnung erfüllt sein, die mich antreibt, mein Christsein aktiv, vorwärtsgewandt und progressiv zu leben.

Vor allem aber werde ich mich auf den Tag freuen, an dem ich den Herrn, an den ich glaube, von Angesicht zu Angesicht sehen darf. Wenn ich von einer Wahrheit überzeugt bin, hat das Konsequenzen. Eine Konsequenz davon ist, dass ich Ziele verfolge, um diese Wahrheit in mein Leben zu integrieren.

Davon nächste Woche mehr.

Amen

Lied: O komm, o komm, du Morgenstern – Feiert Jesus; Michael Janz